Zensur – oder der erhobene Zeigefinger

Heute mal ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt und auch genug Diskussionspotential bis in die Politik bildet – Zensur.

Eines ist klar und steht außerhalb von jeder Diskussion. Es gibt genug Spiele, vornehmlich Ego-Shooter, die nicht in Kinderhände gehören. Freigaben generell sind wichtig und durchaus sinnvoll, doch auch die Eltern sollten dabei auch ihren Teil übernehmen. Doch der Ansatz, der im Kölner Aufruf und auch im neusten Interview mit Dr. Christian Pfeiffer hat einfach nichts mit vernünftiger Diskussion, bzw. der Realität zu tun. Altersfreigaben sind richtig, Zensuren bei 18ern aber nicht.

Selbst bei den MMOs ist die Zensur inzwischen angekommen, was gab es vor Erscheinen von AoC für Diskussionen, was in welcher Region zensiert wird. Bei Release war es dann nicht mehr so dramatisch wie von vielen befürchtet, dennoch wurde zensiert, trotz der 18er Freigabe. Welche absurden Auswüchse die Zensur annehmen kann sieht man ja bei den Shootern immer wieder. Grünes Blut, Roboter oder gar ganze Spielinhalte werden von unseren Sittenwächtern bemängelt. Andererseits kommen immer wieder Titel ungeschnitten herraus die deutlich ‚härter‘ sind als ihre geschnittenen Kollegen. Dies liegt ganz klar an unserem deutschen Prüfungssystem, durch die Gremien fliesst zuviel persönliches in die Prüfung und wieviel sich die Prüfenden wirklich mit der Materie auskennen scheint mir manchaml auch äußerst fragwürdig. Ein System wie das PEGI-System scheint mir da deutlich sinnvoller, dort sind klare Vorgaben, was in die Prüfung einfliesst und wie die Freigabe damit aussehen sollte. Auch die dazugehörigen Piktogramme machen es dem unwissenden Käufer deutlich leichter ein Spiel mit seinen Inhalten abzuschätzen, als ein hässlicher großer roter USK Button.

Wie gesagt, Spiele mit einer 18er Freigabe gehören nicht in Kinderhände, manchmal fragt man sich ob es eine 16er Freigabe nicht auch getan hätte, aber irgendwas werden sich die Prüfer dabei schon gedacht haben.

Ich akzeptiere auch die deutsche Rechtslage im Bezug auf Symbole die Aufgrund unserer Geschichte im Medium Spiele verboten sind. Da könnte man zwar den Ansatz Kunst einwerfen, denn bei Filmen sieht es ja anders aus, doch in Spielen kommt die Interaktivität dazu und somit ist eine Zensur in dem Bereich völlig ok.

Aber ansonsten halte ich recht wenig von der Zensur bei Spielen und Filmen. Als volljähriger, wahlberechtigter Bürger sollte mir doch auch das Recht zustehen Unterhaltung zu konsumieren, wie ich es für richtig halte. Ob nun Literweise Pixelblut irgendeinen praktischen Nutzen haben ist dabei garnicht die Frage. Ich erwarte nur das Recht eben diese Entscheidung für mich selbst zu treffen und nicht in meiner Freizeit, bei meinem Hobby von selbstgerechten Gutmenschen bevormundet zu werden. Außerdem möchte ich Spiele doch bitte so genießen, wie sie die Entwickler produziert haben.

Funktionieren tut das ganze sowieso nicht, man denke nur mal in Richtung illegaler Raubkopien… Dazu ist heutzutage der Import von Spielen über das Internet fast noch leichter als in den Laden vor Ort zu fahren. Billiger ist es oft auch noch.

Doch gibt es eine Lösung für dieses ‚Problem‘? Ich denke eher nicht. Die Kontrolle ist einfach zu schwierig, wenn nicht unmöglich. Jugendliche kommen problemlos an 18er Titel, ob nun gekauft oder nicht. Volljährige haben genug Möglichkeiten an ungeschnittene Spiele herranzukommen und man ärgert sich meist nur über die einem teilweise willkürlich erscheinenden Zensuren in Deutschland. Uns als Spieler bleibt nur ein Fader Beigeschmack, den bekommen tut man eh alles, aber man muss halt mehr Aufwand betreiben und man ist ja möglichst bequem. Vielleicht wäre ein Blick zu unseren Nachbarn garnicht verkehrt. Das oben schon erwähnte PEGI System gewährleistet ebenso Altersfreigaben und ist wesentlich klarer strukturiert. Aber wie so oft bleibt uns nur abzuwarten, denn das sich in den Köpfen der Leute die darüber entscheiden was ändert bleibt zu bezweifeln.

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3 Antworten to “Zensur – oder der erhobene Zeigefinger”

  1. Ich kenn auch viele, die sich lieber die englische unzensierte Fassung kaufen, als das Spiel auf Deutsch im Handel zu erwerben.

    In meinen Augen ist die ganze Zensur für die Katz. Das Problem ist eher bei den Eltern und ihrer Erziehung zu suchen. Es ist halt einfach, dass Kind vor den Rechner zu setzen, so hat man seine Ruhe.
    Politik kann nie dafür sorgen, dass sich die Gewaltbereitschaft ändert, das können nur nah stehende Personen.

    Ich hab einen Teil des Interviews mal herausgehoben

    Golem.de: Sie wettern auch gegen World of Warcraft und fordern dafür USK 18.

    Pfeiffer: Das erste World of Warcraft ist nicht mehr vergleichbar mit dem heutigen, das exzessive Gewalt zeigt. Ich kann nachvollziehen, dass die USK das erste Spiel – in Unkenntnis seiner Suchtwirkung – als ab zwölf eingestuft hat. Aber in der aktuellen Version werden Menschen getötet, und dann kommt die Aufforderung, Ratten zu fangen, damit diese die Körper abnagen. Es gibt Folterszenen, es werden Splitterbomben eingesetzt. Kleine Schimpansenbabys müssen gefangen und mit Elektroschocks gequält werden, damit sie ihre Mütter herbeirufen, die man dann töten muss. World of Warcraft ist keine Märchenstunde mehr! weiter…

    Golem.de: World of Warcraft verwendet einen harmlosen Cartoonstil.

    Pfeiffer: Ich habe noch nie ein so schönes Spiel gesehen von der Ästhetik her. Wenn man da auf den Schwingen eines Phantasievogels über die Landschaft gleitet… Und es gibt viele humorige Sachen im Spiel. Aber trotzdem USK 18, denn in den Wirkungen ist WoW grauenhaft destruktiv: 35 Prozent der männlichen jugendlichen Spieler nutzen es pro Tag mindestens viereinhalb Stunden. Sie verbringen mehr Zeit mit World of Warcraft als mit Schulunterricht. Da ist das Leben aus der Balance geraten! Zudem sind 9 Prozent der WoW-Nutzer süchtig, nach einschlägigen Indizien wie Kontrollverlust, Entzugserscheinungen, Schlafprobleme. Andere Computerspiele entfalten nicht diese Suchtwirkung – auch aufgrund der intermittierenden Verstärkung von WoW: Belohnungen sind von Glücksfällen abhängig statt nur von der eigenen Leistung, und längere Spieldauer bringt einen höheren Erfolg. Das gefährdet vor allem die „ohnmächtigen“ Jugendlichen, weil sie dort endlich Anerkennung bekommen. Die von mir genannten Zahlen stammen aus einer Untersuchung mit 45.000 Jugendlichen, von denen ein Drittel auch zu WoW befragt wurde.

    http://www.golem.de/0902/64991.html

  2. rupickman Says:

    Wenn man sicherstellen könnte, dass 18er Games nicht in Kinderhände kommen, dann gäbe es dort sicher auch keine Zensur. Das Problem sind die Spieler selbst, denn die wollen unbedingt die brutalen Games, auch wenn sie noch sehr jung sind. Und dann muss man sie halt vor sich selbst schützen und die älteren werden bevormundet. Ist wirklich eine Zwickmühle. Wenn die Kids vernüftiger wären, müssten sie auch mit 18 nicht mehr zensierte Games spielen. Aber die richtig guten Spiele funktionieren auch ohne das Blut über die Atmosphäre, aktuell denke ich da an FEAR2, dem man die Schnitte nicht wirklich anmerkt (zumindest in der Demo).

  3. Ziel der Zensur ist ja bekanntlich der Jugendschutz – die gewalthaltigen Medien sollen nicht in die Hände von Kindern fallen. Dummerweise hilft da im Zeitalter des Internets auch eine noch so starke Zensur oder Indizierung nichts. Ich bin auch der Meinung, dass lediglich die Eltern ihre Kinder vor diesen Medien schützen können und kontrollieren, was ihr Kind am Rechner macht (oder an den Konsolen).

    Aber Spiele sind ein einfacher Sündenbock und deswegen oft im Visier der Medien und Personen wie Herrn Pfeiffer, der meint aktiv die Jugend zu schützen. Dass dabei eigentlich nur Erwachsene bevormundet werden und Spiele wie Saints Row 2 stark beschnitten werden ist egal – viele Entwickler verzichten bereits auf den Release im Land und generell verkaufen sich die zensierten Spiele nicht so gut: die Fans greifen lieber auf Import Uncut-Produkte. Somit schaden die Maßnahmen in gewissem Maß auch die Wirtschaft.

    Ich finde Alterseinstufungen vollkommen richtig und gerechtfertigt und bin, genau wie du Maehman für ein besseres Einstufungssystem ähnlich dem PEGI. Dann sind die Bewertungen wenigstens konsequent und nachvollziehbar.

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